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Als Kunde bei einer "Schamanin"


Ein Erfahrungsbericht eines Kunden bei einer schamanisch Praktizierenden.


Feuerdrache


Vorgeschichte

Ich war über 2 Jahrzehnte hinweg geplagt von einer bösen Aggressivität. Einer meiner Elternteile ist von derselben tiefen Bosheit erfüllt, noch mehr als ich. Ich hab das wohl als Kind total übernommen, wenn ich mich auch stets gegen diesen Elternteil gestellt habe. Später erkannte ich, dass ich genauso bin.
Kurz um, es wurde Zeit, eine neue Wanderung anzutreten, um die Zustände vollkommener Bosheit aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Eine liebe Bekannte wies mich auf die sogennanten Familienaufstellungen hin, worauf ich mir ein empfohlenes Buch kaufte und vollständig durchlas. Das war sehr gut, aber irgendwie spürte ich, dass das nicht zu einer Besserung führen wird. Im Gegenteil, das Beschäftigen mit alten Familienmustern liess Gefühle von damals wieder aufwachen und führte zu noch stärkeren Aggressionsschüben. Es tat gut, sich all die alten Geschichten wieder vor die Augen zu führen, doch hatte sich mein Böses so stark verinnerlicht und sich seinen Weg mit mir zusammen gebaut, dass eine effektive Lösung nicht in Sicht kam.



Die Wanderung

Eine Freundin fragte mich, ob ich Lust hätte, sie zu einer Schamanin zu begleiten, die sich für einen auf schamanische Reisen begibt. "Ziemlich sophisticated", dachte ich bei mir, und freundete mich mit der Idee an. Man gönnt sich ja sonst nichts...
Ein Tag Ferien wurde gebucht und schon fuhren wir auf den grauen schweizer Strassen in Richtung Jura. "Brennt Dein Licht am Auto?", wurde ich im Gubrist gefragt. "Ja, es brennt."
Wie alle engsten Freunde um mich herum, war auch sie vollständig verloren, wenn es darum ging, irgendetwas Geographisches ausfindig zu machen. Ich brauch immer ewig, um was zu finden, also bin ich des öfteren etwas länger unterwegs.
Wohlweisslich waren wir am Bahnhof dieses gewissen Ortes verabredet. Denn Bahnhöfe sind meist auffindbar. Nach guten zehn Minuten am Ort war das dann auch so.
Zu früh waren wir, in Eiseskälte, ein wenig angsterfüllt und dennoch gespannt. Als ob man über eine Hecke einen Bauern observiert und auf seine Unachtsamkeit wartet, um einen Apfel stehlen zu gehen.
Die Schamanin kam in ihrem Guutschli angebrummt, stieg aus und kam direkt auf uns zu. "Oh, da steht mal endlich ein echter Krieger vor mir.", sagte sie mit freudigen Augen. "Gute Verkaufstaktik", wollte ich antworten, aber ich verkniff es mir.
Zuerst war ich dran und tapste die hohe Treppe ihr interher, die zu einem kleinen Zimmer im ersten Stock führte. Im Schniidersitz setzte sie sich auf den Boden. Meine Bemühungen, es ihr gleich zu tun, scheiterten an meinem lädierten Knie, was in einem zur Seite Plumsen in einer römergleichen Liegestellung endete. Mit einem A4-Block und Kugelschreiber bewaffnet, fragte sie mich, weshalb ich hier sei.
"Es geht mir nur um meine Aggression. Innerlich kann ich extrem aggressiv werden, mein Kopf weiss aber stets, was ich tue. Dennoch kann ich dieses Böse tief in mir drin nicht abstellen. Es klingt irgendwann aus, um bei nächster Gelegenheit wieder meinen Puls rasen zu lassen."


Es Pfüüsi

"Leg Dich hin, neben mich. Ich werde mich auf eine Reise einstimmen. Du musst gar nichts tun, einfach daliegen. Ich werde Dich mit meinem Handrücken an Deinem berühren". Sie fing an, ein Liedchen zu singen, das mich eher an einen Kinderreigen erinnerte, als auf eine Einstimmung auf eine Reise. Aber gut, wenn das ihr Weg ist, ist das okay für mich. Flugs wurde mein rechte Hand, die die ihre berührte, extrem warm, kurz darauf mein ganzer rechter Arm heiss. Ich liess mich gehen und vertraute ihr.
Während sie auf Reisen war, lag ich da, versuchte, möglichst gleichmässig zu atmen und mich gegen nichts zu wehren, damit sie auf keine Hindernisse stosse. Über eine halbe Stunde ging das so. Die empfundene Wärme blieb mehrheitlich auf der rechten Seite, wo sie lag. Mit geschlossenen Augen liess ich die Zeit verstreichen, ohne mich auf etwas zu konzentrieren. Im Nachhinein kamen mir Gedanken wie: "Eine angeheme Art, Geld zu verdienen. Eifach es Chrösi, und scho flatteret sGäld ine". Aber weit gefehlt.



Die Reise

Sie wieder im Schniidersitz, ich irgendwie verwurschtelt, begann sie, mir ihre Reise nachzuerzählen. "Ich hab Dich zuerst an einem mir lieben Kraftort mitgenommen, um von da aus mit Dir die Reise zu beginnen. Als erstes stellte ich Dich in Dein Elternhaus, aber da mussten wir sofort wieder weg. Alles war dunkel und Angst einflössend. Gewalt. Wir trafen auf einer Wiese dein Krafttier. Mit seiner Hilfe versuchten wir, das Böse in dir zu sehen. In dir drinnen war alles schwarz, wie eine Raucherlunge. Ich versuchte, es mit den Händen zu entfernen, aber es klebte wie Pech in dir. Schliesslich brannte ich es heraus, nachdem ich ein Feuer entzündete. Die pechschwarze Haut, die dein Inneres übersähte, war gar nicht dick, aber widerspenstig. Darunter kam helles Licht zum Vorschein, dass erst in den ersten Löchern hervorschien und dich danach vollständig durchströmte.
Ich stellte dich danach vor einen Elternteil und wir gaben das Schwarze zurück. Doch es wurde nicht angenommen, heftige Wehr erfuhren wir, obwohl wir es in Güte zurückgeben wollten. Ich entliess es in die Anderswelt, wo es gut aufgehoben ist und nicht mehr zurückkommt."


Reflektion

Auf dem Rückweg empfand ich nichts besonderes. Ich dachte, das wars wohl nicht, aber wenigstens hab ich den Versuch gewagt. Eigentlich war nichts anders, alles beim alten. Während der nächsten Tage kam ich des öfteren, wie üblich auf Schweizer Strassen, in Situationen, bei denen ich eigentlich hätte aggressiv werden sollen. Ich genoss es förmlich, unberührt von bösen Gedanken zu sein, dachte aber so bei mir, es werde wohl mein Unterbewusstsein zwanghaft meine Aggression unterdrücken. Auch ganz nett.



Danach

Das Auto ist gestorben, woran ist unklar. Ein Neues ist da.
Die Reise ist heute lange her und ich war etwa zwei Mal aggressiv. Aber nur kurz und ohne rasenden Puls. Es ist weg. Ich denke nicht, dass mein Unterbewusstsein so lange durchhält und mir was vorgaukelt. Einen eindeutigen Test gab es, den ich mehrfach wiederholte.
Früher war das so: war ich zum Beispiel beim Einkaufen und ein kleines Kind sass in seinem Wagen, und es erblickte mich, so erstarrte es unweigerlich zur Salzsäule, riss die Augen auf und fing an, wie am Spiess zu brüllen. Jedes Kleinkind reagierte so auf mich. Jaja, längere Haare, dunkle Augen et cetera popoo.
Ich hab bis jetzt keines dieser durchdringenden Schallproduzierern mehr gefunden. Selbst wenn ich absichtlich eines "böse" angeguckt hab, konnte ich lediglich ein Lächeln auf sein Gesicht zaubern. Fast etwas schizophren.


Werdung

Das Leben ändert sich, und sei es nur, dass man auf andere nicht mehr so wirkt, wie früher. Es ist schon einige Zeit vergangen, in der ich mich in der Gesellschaft neu definieren muss. Normalerweise haben Leute Angst vor mir. Dadurch ergaben sich Verhaltensmuster, wie zum Beispiel dem anderen beweisen zu wollen, Angst sei unnötig. Wer bin ich nun? - Auf jeden Fall ist alles besser, als vorher.

Ich bin dankbar.




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